Diese Frage drängte sich auf, als ich den Ausführungen und Erklärungen der LfU-Mitarbeiterin, Frau Vera Linckh, Co-Partnerin des Referenten Dr. Fackler, zum Ausstellungsthema „Klima & Co.“ folgte.
Vor den Schautafeln und Installationen informierte Frau Linckh in kühlem Geschäftston, dezent grau gewandet in Hosenanzug mit Blazer, – vollendeter Business-Look für gehobene Büroberufe -, die Inhalte der Darstellungen zur Klimaproblematik.
Die Ausstellungsgäste folgten ihr und bildeten um jeden Informationspunkt einen Halbkreis, innerhalb dessen die Referentin die angebotenen Darstellungen erklärte und die Installationen in Gang setzte. Man kennt solche Schautafeln und funktionalen Mitmachinstallationen aus Museen und Fachmessen.
An der Übersichtswand mit Daten zur Klimaerwärmung, waren drei Druckknöpfe angebracht, welche, je nach Zuschauerinteresse, betätigt werden konnten, um in einem Lichtfenster den Stand der Klimaerwärmung „gestern- heute-zukünftig“ aufzuzeigen.
Natürlich wollte Frau Linckh diese signifikanten Veränderungen über diese Installation verdeutlichen.
Sie blickte in die Runde der Zuschauer und erblickte einen kleinen, ca. 10 bis 12-jährigen Jungen, welcher ganz ruhig und unauffällig, aber interessiert die Vorführungen verfolgte.
Unvermittelt wandte sich Frau Linckh dem Kinde zu und forderte in herrschendem Ton: „Du da, drücke den Knopf!“
Der Junge erschrak sichtlich, zögerte und nahm eine ablehnende Haltung an.
„Mach schon!“ forderte Frau Linckh in etwas schärferer Tonlage.
Stille im Zuschauerrund.
Widerwillig und langsam bewegte sich der Bub zur Schautafel und drückte den Knopf.
Es erschien die Jahres-Durchschnittstemperatur von 9°C, welche in Zeiten der ersten Klimaaufzeichnungen gemessen wurde. Frau Linckh begründete dieses Meßergebnis mit der, damals noch geringeren CO2 – Emittierung in die Atmosphäre.
Tja, dann sollte der Vortrag mit einem neuen Schaubild fortgesetzt werden. Wieder schaute Frau Linckh zum Buben hinüber:
„Drück´ jetzt den Knopf in der Mitte!“
Der Kleine schien noch unwilliger, ob dieses scharfen Befehls und blieb unbeweglich.
„Na, schneller!“
Die Situation gestaltete sich peinlich.
Der kleine Bub konnte keine Hilfe von außen erwarten, deshalb bewegte er sich, aber noch langsamer als vorher und mit einer protestierenden Lässigkeit, um dann doch noch den grünen Knopf zu drücken.
Ob danach noch irgendjemand registrierte, dass die Leuchtzahl 14°C nun die aktuelle Durchschnittstemperatur anzeigt, kann bezweifelt werden.
Unmut lag in der Luft, es knisterte förmlich.
Gespannt warteten die Zuschauer jetzt auf den dritten Knopf.
Spätestens nun, musste Frau Linckh das atmosphärische Gewitter gespürt haben.
Mit einem demonstrativen Ruck schnellte ihre dürre Gestalt nach vorne, um nun selbst den dritten Knopf an der Wand zu drücken.
Erleichterung und Entspannung im Zuschauerrund.
Ich ärgerte mich über mich selbst, nicht vorher sofort für den Kleinen eingetreten zu sein!
Luise Nomayo