Diese Frage stellte die Netzzeitung, www.der-weidener.de, Gästen vor Beginn der Neujahrsveranstaltung der Stadt Weiden in der Max-Reger-Halle. Die Antworten lauteten „ich lasse mich überraschen“, „mal sehen, was da kommt“, „vielleicht eine Regierungserklärung“, oder es kam ein überraschtes, nonverbales Schulterzucken.
Die Antwort darauf blieb OB Seggewiß später auch nicht schuldig.

Nacheinander werden die Gäste von OB Seggewiß, seiner Ehefrau, den beiden Bürgermeistern Jens Meyer und Lothar Höher, so wie dem Glücksbringer, Kaminkehrermeister Hubert Erl Willkommen geheissen
Doch nun der Reihe nach.
Mehr als hundert geladene Gäste aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung, Kirchen, Militär und Politik, folgten der Einladung und reihten sich, vor Einlass in den Gustav v. Schlörsaal, in einer langen Schlange auf, um nacheinander von Herrn Herrn OB Seggewiß, seiner Ehefrau Maria, den beiden Weidener Bürgermeistern Jens Meyer und Lothar Höher und dem symbolischen Glücksbringer, Herrn Bezirks-Kaminkehrermeister Hubert Erl, begrüßt und zum Neuen Jahr beglückwünscht zu werden.
Als kleines, sinniges Gastgeschenk verteilten Herr Seggewiß und seine Gattin dabei Schoko-Marzipan-Hufeisen mit dem Wappen der Stadt Weiden in Cellophantütchen.
An kleinen Party-Tischen im Saal warteten in der Zwischenzeit die eingetroffenen Gäste, unterhielten sich in Gruppen und verspeisten verschiedene Semmel- und Hefegebäckstückchen, welche auf Platten bereitgestellt waren. Dazu reichte das Personal der M.R-Gaststätte verschiedene Getränke und die 16 Mann/Frau starke Weidener Stadtkapelle spielte dazu schmissige Märsche und bekannte bayerische Melodien.
Herr Schmieglitz, Pressesprecher der Stadt Weiden, eröffnete den offiziellen Neujahrsempfang 2012
Sehr übersichtlich geordnet, je nach Berufs-, Tätigkeits-, Politik- und/oder wirtschaftlichem Schaffensbereichen, begrüßte er einzelne Gäste und Organisationen namentlich.
Aus Politik waren Ludwig Stiegler, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Ehrenbürger der Stadt Weiden, Frau Landtagsabgeordnete Petra Dettenhöfer, die Weidener Bürgermeister Meyer und Höher und weitere SPD-Landkreisbürgermeister aus Grafenwöhr, Weiherhammer, Floß, Leuchtenberg, Störnstein und Luhe-Wildenau explizit benannt worden. Von den Weidener Stadträten wurden die Fraktionsvorsitzenden der SPD, Herr Richter, der CSU, Herr Pausch, Bürgerliste Herr Dr. Degelmann und Herr Prof. Klotz, sowie von den Freien Wählern Herr Sindersberger und FDP Herr Wildenauer begrüßt.

Aufgefallen ist, dass Herr MdB Schieder und auch Frau MdL Karl nicht am Empfang des Herrn OB Seggewiß teilnahmen.
OB Seggewiß hielt dann seine Empfangsrede, im Wesentlichen mit Rückblick auf seine vergangene Amtszeit.
Mit dem Versuch einer literarischen Parabel, erläuterte Herr Seggewiß Grund und Sinn des Neujahrsempfangs für 2012.
Er schilderte eine persische Neujahrsgeschichte und erklärte damit den Wert einer solchen Empfangsfeier.
“Ein persischer König beabsichtigte, mit allen Honoratioren seines Landes, eine glänzende Neujahrsfeier abzuhalten. Alles sollte in Glanz und Licht erscheinen und auch an Speise und Trank durfte nichts fehlen, damit man auch noch später vom Fest des Königs erzählen würde. Zu Ohren war ihm gekommen, dass in den vergangenen Jahren nur von einem Feste begeistert geredete wurde, nämlich dem Fest des Malers Ramun. Darüber soll sich der König Gedanken gemacht und gewundert haben, weil Ramuns Gäste nur in seinem kleinen Haus empfangen wurden und dazu Getränke und Speisen selbst mitzubringen hatten. Der König ließ fragen, was denn das Besondere an diesen Malerfesten sei und erhielt die Antwort, dass für Ramun und seine Gäste es das Wesentliche sei, einfach zusammenzukommen um sich auszutauschen. Der König war neidisch auf den Erfolg des Malers und erkannte, dass sie beide das Leben aus unterschiedlichen Blickwinkel betrachteten. Als Folge dieser Erkenntnis war beim König ein Paradigmenwechsel angesagt. Er wollte zum Wesentlichen des Lebens, von äußeren zu inneren Werten kommen.”
OB Seggewiß meinte, bezogen auf die Politik in Weiden, Paradigmenwechsel sei nun auch sein Ziel für das kommende Jahr, das bedeute Rückkehr zur Bescheidenheit und gegen Festhalten an äußeren Werten der Alltags- und Arbeitswelt. Er habe den Eindruck, in unserer Gesellschaft gehe der Kompass für „das Wesentliche“ immer mehr verloren.
Herr Seggewiß schränkte aber ein, dass es bereits eine Änderung des Bewusstseins in der Welt und in Deutschland gäbe und er meinte, die Fukushima-Katstrophe habe eine grundlegend andere Sicht auf die Atomenergie gebracht und damit einen klassischen Paradigmenwechsel in der Energiepolitik ausgelöst.
Er stellte fest, dass viel geschehen sei, das uns betroffen mache und man stehe vor Fragen …. nach der Energiewende?…. oder wo kommen die Windräder hin? ….Biomasse Einsatz?…. und Vieles mehr. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht und damit der Ausfall des Zivildienstes betreffe die Zukunftsplanung vieler Menschen.
In Weiden und in der Region seien Bündnisse entstanden, die vorher unwahrscheinlich erschienen. Heftig umstritten sei die Erhöhung der Gewerbesteuer gewesen, aber wir haben einen Deal gemacht, welcher bei Überschreitung der „Messlatte“ vorsieht, die Erhöhung zurückzunehmen. Es wurde „Wort gehalten“, die GewSt wird 2012 von 380 auf 350 Hebesatz heruntergesetzt. Dies sei ein Zeichen der Verlässlichkeit.
Die Haushaltskonsolidierung in Weiden mittels Steuer- und Gebührenerhöhungen sind Einschnitte, die aber notwendig seien, um das Gefüge zu erhalten.
Ein weiteres Bündnis sei der „Runde Tisch“ gewesen, mit anfangs schier unversöhnbaren Standpunkten, welche zusammengebracht wurden. Der Konsens wird lt. Stadtratsbeschluss 1:1 umgesetzt. „Wenn aber einige Menschen glauben, sie könnten endlos weiter diskutieren, dann muss Schluss damit sein!“
“Nun wird ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt, die verkehrlichen Probleme werden gelöst, auch findet ein Architektenwettbewerb statt und dann wird im Stadtrat entschieden, welche Variante zum Tragen kommen wird.”
„Ein weiteres „Bündnis“ ist entstanden, über Parteigrenzen hinweg, zum Erhalt des Bundeswehrstandortes.“
OB Seggewiß „appellierte an alle, die sich diesen Erfolg an die Fersen heften wollen…, es war Oberstleutnant Henn, der nicht aufgeben wollte, nach dem Motto, über sieben Brücken sollst Du gehen!”… „Henn sagte, wir sollten nicht aufgeben!“… „MdB Rupprecht war in der entscheidenden Sitzung da!“… „Seien wir froh, dass wir Abgeordnete haben, die für die Region eintreten!“… „Warum fällt es uns Politikern von CSU, oder SPD, so schwer zu loben?”…” Seien wir stolz auf unsere Abgeordneten, sie machen ihren Job und das über Jahrzehnte!“
Als nächstes lobte OB Seggewiß die Partnerschaften mit anderen Partnerstädten, seit 2008 auch mit der US-Army in Grafenwöhr.
„Kommunalwahl ist erst 2014, aber mein Gegner von der CSU beginnt schon 2011 mit dem Wahlkampf!“ OB Seggewiß verurteilte die Äußerungen von Landrat Wittmann am 19.01.2012 in der regionalen Tageszeitung Der Neue Tag, – siehe http://www.oberpfalznetz.de/onetz/3110017-118-christsoziale_hand_in_hand,1,0.html
Darin äußerte Herr Landrat Wittmann „Wehmut“, dass Schröpf nicht mehr die Geschicke der Stadt Weiden leite. Er meinte „ich trauere dieser Zeit nach“! Schröpf habe, bei allen Kontroversen, immer gemeinsam mit dem Landkreis „angepackt“ und Landrat Wittmann sei „belustigt“ über den Vorwurf des Herrn OB Seggewiß zur neuen FOS in Eschenbach, man habe Weiden geschadet.
Auch die Einschätzungen des Landrates zur Sparkasse Weiden Nord, dürften Herrn Seggewiß aufgestoßen sein. Er meinte, die Zeit habe sich geändert, die Bankenkrise trage Schuld an der Finanzmisere. Die Haltung „Löst Euer Problem“ habe Auswirkungen auf die Sparkassen. Er schaue nach vorne, werde keine Energie schon jetzt in Wahlkämpfe verschwenden. Dies führe nur zur Politikverdrossenheit bei den Bürgern.
„Die Bürger haben uns gewählt und erwarten, dass wir unsere Arbeit machen und nicht in parteipolitisches Gezänk ausbrechen!“
Als weiteres Bündnis der Wirtschaft mit der Stadt erkannte Herr OB Seggewiß die neuen Betriebserweiterungen der Firma Witt, des Verlags NT und der Fa. ATU. Dies sei Erfolg und Vorteil für die Stadt Weiden. Damit kam er auf die erhöhten Arbeitslosenzahlen in Weiden, derzeit 5.1% , gegenüber dem Landkreis NEW mit 3.3 % zu sprechen.
Weiden biete derzeit 25.100 Arbeitsplätze bei 42.000 Einwohnern, aber 16.100 Arbeitsplätze würden von Einpendlern aus den beiden angrenzenden Landkreisen besetzt.
Von Auspendlern hat er nichts gesagt, doch mit besonderem Sarkasmus in der Stimme, betonte er „Ich freue mich natürlich über die 3.3 % Arbeitslosenquote im Landkreis!“
„Aber die Menschen aus der Region, stimmen eben mit den Füßen ab und kommen nach Weiden zum Arbeiten, zum Einkaufen, zur Schule und ins Krankenhaus!“
Positiv aufgefallen ist, dass Herr OB Seggewiß die aufgezählten “Bündnis”- und sonstigen Erfolge, nicht “ich”-bezogen darstellte. Das unterschied ihn positive von seinem Parteikollegen Machnig aus Thüringen, bei welchem das Personalpronomen “Ich” als meistverwendetes Wort seiner Rede in Vohenstrauß zu hören war.
Zum Schluss der Veranstaltung wurde die Nationalhymne gesungen, wobei Herr Seggewiß vorher noch den Bezug zur „Einigkeit“ im Liedtext mit seiner neuen Bündnispolitik verband.
Nach der Veranstaltung meinte Herr Pausch zur Kritik des Oberbürgermeisters an seiner vorzeitigen OB-Kandidatur etwas ironisch:
„Herr OB Seggewiß scheint sehr nervös. Ich werde aber zum Wohle der Stadt weiterarbeiten und meine Entscheidungen auch weiterhin unbeirrt, nach bestem Wissen und Gewissen treffen!“
Luise Nomayo





